9 Feb 2011

04: Perpignon - Barcelona - Valencia

Barcelona – für nicht wenige Vielgereiste die schönste Stadt Europas! Doch mich interessieren diesmal ohnehin nicht das Barrio Gótico oder die berühmte Sagrada Família-Basilika von Antoni Gaudí – sondern die „Solar Pergola“: Eine beeindruckende Solarzellen–Skulptur so groß wie ein Fußballfeld, die am Rand der Stadt über dem Meer thront; ein Kunstwerk, das etwa 140 Haushalte mit Energie versorgt!

Die „Solar Pergola“ soll ein Symbol sein für die Zukunft der Stadt, erzählt mir Toni Pujol di Vidal von der Stadtverwaltung, den ich hier treffe. Seit der Einführung einer neuen Solarverordnung im Jahr 2000 hat sich die Quadratmeterzahl der Solarzellen in Barcelona mehr als verzehnfacht. Und mindestens 60% des Warmwasserbedarfs jedes neuen oder sanierten Gebäudes müssen in der Hauptstadt Kataloniens mit Sonnenkollektoren gedeckt werden.

Auch einer der berühmtesten Architekten Spaniens trägt dazu bei, dass Barcelona mehr und mehr eine Vorreiterrolle für nachhaltige Energiewirtschaft einnimmt. Ich treffe Enric Ruiz-Geli in dem von ihm geschaffenen „Media Tic“, einem 40 Meter hohen würfelförmigen Medien- und Bürohaus mit einer weltweit einzigartigen Fassade: Die der Sonne direkt ausgesetzten Flächen sind mit mehrwandigen, teilweise durchsichtigen Luftpolstern bedeckt. Je nach Sonneneinstrahlung sorgt ein computergesteuerter Mechanismus aus Sensoren und Gebläsen dafür, dass diese Luftkissen entweder viel Licht und Wärme durchlassen oder isolierend wirken. Die Folge: Der Energieverbrauch des Gebäudes wird dramatisch gesenkt.

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„Antoni Gaudí hat uns alle hier in Barcelona beeinflusst“, sagt Enric Ruiz Geli über sein großes Vorbild. „Doch die Nähe seiner Bauten zu Natur müssen wir heute eben auch da umsetzen, wo es um den Energiehaushalt geht“.

Zurück im Crew-Hotel erfahre ich: Das Team eines unserer Begleitfahrzeuge ist in eine ziemlich unangenehme Situation geraten. Beim kurzen Stopp am Straßenrand zum Navi-Programmieren kommt plötzlich ein Mann in Warnweste angelaufen und gestikuliert hartnäckig: „Schaden am Auto!“ Techniker Michael steigt aus und will nachsehen, als der Mann ihn auch schon massiv vom GL abdrängt. Aus dem Nichts taucht ein zweiter Mann auf, läuft auf das Teamfahrzeug zu, in dem nur noch Kollegin Ursula sitzt. World-Driver Michael handelt gottlob rasch: Er reißt sich los, springt ins Auto, gibt Gas. Und die Tour geht unbeschadet weiter!


Am Abend erreichen wir Castellon bei Valencia und haben noch Zeit für ein kurzes Film- und Fotoshooting in der „Stadt der Wissenschaften und Künste“. Fotograf Dirk und die beiden Kameramänner Raphael und Jens arbeiten bis das letzte Tageslicht verschwindet. Denn: So eine Location bekommt man nicht oft vor die Linse – siehe Fotos!


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7 Feb 2011

Vom Renn- in den Zero-Emission-Modus

Der F-CELL World Drive begeistert alle Teilnehmer. Projektleiter Arwed Niestroj über besseres Wetter, lockere Zeitpläne und wieso Handys und eisiger Nebel nicht zusammen passen.

Nach 7 Tagen World Drive ist es für uns nun am Mittelmeer endlich wärmer geworden. In Perpignan lacht die Sonne und die morgendlichen Starts bei Eiseskälte haben wir hinter uns gelassen. So darf es nun bis Westchina weitergehen.

Wir halten die Zeitpläne locker ein und freuen uns mit den Mercedes-Benz Händlern am Tankstop, wenn wir mit unseren giftgrünen Protagonisten vorfahren. Die Werkstattmannschaft applaudiert als Ihr Chef d'Atelier (Werkstattleiter) lautlos in der B-Klasse vom Hof gleitet. Das anschließende "Gruppenbild mit Zelle" ist Pflichtprogramm.

Das Interesse ist sehr groß - zunächst für die Technologie und den Konvoi und dann auch für die Auswirkungen der Elektromobilität auf Ihre eigene Arbeit. Wie werden die Kunden Brennstoffzellenfahrzeuge erleben? Wann werden die Tankstellen in ausreichender Zahl vor Ort verfügbar sein? Wollen die Kunden lieber Elektrofahrzeuge mit Batterie oder mit Brennstoffzelle? Welche Wartungsarbeiten muss man an einer F-CELL machen und wie aufwändig ist die Ausbildung dafür?

Die Fahrzeuge laufen alle hervorragend und alle Fahrer sind endgültig vom Renn-Modus in den Zero-Emission-Modus übergegangen. Jede rekuperierte Wattstunde steigert das Bewußtsein für effizientes, emissionsfreies Fahren. Die wichtigste Botschaft beim Bio-Stop ist der aktuelle Durschnittsverbrauch. Unsere inzwischen erfahrenen Pressegäste wissen gut mit der Tankstellensituation am Mittelmeer umzugehen und reizen Potentiale optimal aus, um abseits der Autobahn-Route möglichst viele schöne Fotos von den Küstendörfern zu ergattern.

Der eisige Nebel auf den Hügeln um Lyon hat meinen Blackberry das Display gekostet und die Bildstörung kriecht nun langsam vom den unteren Menüpunkten bis hoch zur Batterieanzeige. Mal sehen, wen ich dann bald versehentlich anrufe. Gut, daß wir unsere Autos besser bauen!
Schön ist, dass dies aktuell meine größte Herausforderung ist, auch wenn mein Vorstand gerade persönlich hinter unserem Auto in der B-Klasse F-CELL fährt.

6,16% haben wir hinter uns, noch 28.000 km vor uns.

Viva Espana, au revoir la foie gras chaque diner!

World Driver
Arwed Niestroj

Niestroj

7 Feb 2011

03: Lyon - Perpignan

Tierisches und Dramatisches ist heute zu vermelden vom F-CELL World Drive!

Zum ersten: Beim abendlichen Routinecheck in Lyon entdecken unsere Techniker, dass das Hochtemperatur-Kühlkreislauf der Brennstoffzelle Flüssigkeit verliert. Die Schadenursache ist schnell ermittelt: Zwei Raubtierzähnchen haben sich ins Gummi gebohrt. Nicht nur die Journalisten, sondern auch die Marder wollen eben wissen, was so dran ist an der B-Klasse F-CELL.

Zum zweiten: Der Blackberry unseres Projektleiters gibt allmählich seinen Geist auf. Da muss schnell gehandelt werden! Denn bei durchschnittlich 150 Emails am Tag würde sich Arwed Niestroj ohne raschen Ersatz bestimmt ganz schnell langweilen – und das will hier nun wirklich keiner.

Doch es müssten sich unserem F-CELL World Drive schon größere Widrigkeiten entgegenstellen, dass es nicht pünktlich weiter ginge; heute von Lyon aus weiter Richtung Mittelmeer. Und tatsächlich: Eine gute halbe Stunde nach Abfahrt wird der dunkelgraue Hochnebel plötzlich wie ein Vorhang vom Himmel gezogen und wir können zuschauen, wie unser Bordthermometer klettert. Am Straßenrand tauchen Pinien auf, Zypressen und später auch Olivenbäume.

Am späten Vormittag ist Sightseeing unumgänglich. Denn auf unserem Weg durchs Languedoc liegt der Pont du Garde, mit fast 50 Metern Höhe die höchste erhaltene Viadukt-Brücke aus der Römerzeit, UNESCO-Welterbe und Vorbild für die Rückseite des fünf-Euro Scheins. Die einzigen Fahrzeuge, die die Brücke unmittelbar neben dem Viadukt befahren dürfen, sind die Elektrowagen der Parkverwaltung.

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Doch wer bekommt eine Sondergenehmigung? Erraten: Unsere B-Klasse F-CELL, schließlich fährt auch die mit E-Motor! Zugegeben: Auch unsere Film-Crew darf mit einem Benziner-Viano samt Kamerakran hinterher. Und unsere nur schwer zufrieden zu stellenden Kameramänner sind endlich mal glücklich.

Noch ein schneller Lunch- und Tankstopp in Nimes (Leckeres Fingerfood-Buffet im Showroom vom Autohaus!), ein noch schnelleres F-CELL-Erinnerungsfoto für die französische Polizei (russischer Journalist mit 20 km/h zuviel geblitzt) und kurze Hektik an Bord eines Begleitfahrzeugs vor einer der Mautschranke (Ticket nicht gefunden, lange gewühlt); dann erreicht der  F-CELL World Drive Perpignan, unsere letzte Station in Frankreich.

Während die Techniker im Hof vom Mercedes-Händler wie immer die mobile Wasserstoff-Tankstelle installieren,  werden unsere B-Klassen zur Attraktion fürs Fachpublikum: Die Werkstattleute sitzen drin, knien davor und liegen drunter. „Diese Wagen mal mit eigenen Augen zu sehen ist toll (c’est cool)“, meint Mechaniker Nicolas, „das ist doch die Zukunft auch für uns!“

Um genau 15 Uhr 42 habe ich übrigens zum ersten Mal das Meer gesehen heute! Und wir hatten in der Spitze 18,5 Grad. Also, liebe Daheimgebliebenen im deutschen Winter: Viele Grüße aus Südfrankreich – und nur kein Neid!

3 Feb 2011

02: Paris - Lyon

Tuilerien, Invalidendom, Louvre, und, klar, der Eiffelturm. Vieles gäbe es wieder mal anzuschauen in Paris. Aber: Wir sind mit dem F-Cell World Drive unterwegs. Unsere B-Klassen F-CELL fahren emissionsfrei - da sollte auch das Besuchsprogramm (in der knappen Zeit, die uns hier bleibt) etwas mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Ich sehe mir deshalb einige "Vertikale Gärten" an: Viele Stockwerke hohe Häuserwände, die selbst jetzt im Winter überwuchert sind mit Pflanzen. Paris ist sozusagen die Hauptstadt dieser "murs végétaux", der "Pflanzenmauern". Denn es war der Botaniker Patrick Blanc, der bereits Anfang der 80er Jahre Häuserwände bepflanzt hat. Wie Dachgärten. Nur eben senkrecht. Mittlerweile ist Patrick 57, trägt lange, grüngefärbte Haare - und ist mit seiner Gartenkunst auf der ganzen Welt präsent.

Patrick wohnt in einem tristen Pariser Vorort, in einer unscheinbaren Straße - doch in seiner Wohnung bildet ein riesiges Aquarium den Fußboden und hinter seinem Schreibtisch flattern exotische Vögel an einer sechs Meter hohen Pflanzenwand herum. "Immer mehr Menschen wohnen in Großstädten", sagt er, "das lässt sich kaum ändern. Also müssen wir eben dafür sorgen, dass die Natur in unsere Städte zurückkehrt". Lange noch hätte ich bleiben wollen. Aber: Wir müssen weiter.

Denn eins steht schon mal fest nach drei Tagen F-Cell World Drive: Ein Erholungsurlaub sieht definitiv anders aus. Am Abend, im Restaurant des Crew-Hotels in Paris: Zum späten Dinner gegen 9 verkündet der Teamchef die Dispo für den nächsten Tag: "Ich verlese dann mal die Namen derer, die morgen dann schon um fünf Uhr parat sein müssen..." - hört sich unfreiwillig an wie die Siegerehrung einer Casting Show. Es gibt Applaus - und Gelächter. Denn trotz langer, manchmal sehr langer Tage ist die Stimmung im Team wirklich gut.

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Auch heute morgen, obwohl es grimmig kalt ist es vor den Toren von Paris; wo unser World-Drive Konvoi geparkt hat und die B-Klassen F-CELL aufgetankt werden. Alles Routine bereits - bis zum Moment der Abfahrt. Zumindest für mich. Denn: F-CELL fahren ist eben doch was besonderes! Da ist schon beim Ausparken dieser erste, irritierende Gedanke: "Kein Motorgeräusch - aber ich fahre!" Als nächstes dieser lautlose Durchzug, den so eben nur ein E-Motor bringt (dank vollem Drehmoment von Anfang an!). Doch den Sprint an der grünen Ampel überlassen wir den anderen. Uns F-CELL Fahrer überkommt die Gelassenheit fast zwangsläufig.

Warum? Weil wir heute bis Lyon rund 500 Kilometer vor uns haben - und nur ein Wasserstoff Depot auf unsere mobile Tankstelle wartet, nach genau 239 Kilometern. Okay, in Anbetracht der Reichweite von etwa 380 Kilometern eigentlich kein Problem. Aber: Wir wollen auch mal Umwege machen, für Fotos und TV-Aufnahmen zum Beispiel. Und: Mal Verfahren sollte auch drin sein. Dieses Bewusstsein - diese Tankstelle oder keine! - im Kopf, fährt man schon mal anders los. Und pumpt auch mal ein halbes bar mehr in die Reifen.

Aber das ist es nicht allein. Denn zusätzlich zur Brennstoffzelle liefert ja auch ein Akku Strom. Und der wird aufgeladen, sobald der Fahrer komplett vom Gas geht. An die leichte Bremswirkung, wenn der Motor zum Dynamo wird, muss man sich erstmal gewöhnen. Aber schon bald will man es nicht mehr missen, dieses befriedigende Gefühl, dass die Energie beim Abbremsen nicht mehr verloren geht. Schon 500 Meter vor einer Mautstation gehe ich schon mal vom Gas, auf dem Display blinkt der grüne Pfeil von der Achse zum Akku. Und ich freue mich, dass ich es komplett ohne Bremsen bis zum Kassenhäuschen vor der Schranke schaffe. "Bonjour Madame!" - Und der Akku ist wieder von 43 auf 52 Prozent geklettert. Was vorausschauendes Fahren bringen kann: In der B-Klasse "F-Cell" kann man es er-fahren. Im wahrsten Wortsinn. Und der inoffizielle Wettbewerb, welches der drei Fahrzeuge am Abend mit dem besten Verbrauch ankommt, ist längst ausgerufen.

Auf 750 Höhenmetern gibt es noch mal richtig Schnee. Wahrscheinlich zum letzten mal auf dieser Reise. Denn nach einem Tag für die Presse in Lyon geht's übermorgen weiter Richtung Mittelmeer. Ach ja: Um halb acht sind wir in Lyon angekommen. 1,15 kg Wasserstoff haben wir auf hundert Kilometern verbraucht. Ziemlich gut. Aber ich bin mir sicher: Das geht noch besser!

Eco-Trek - Das Magazin für nachhaltige Leuchtturmprojekte am Rande des F-CELL World Drive - Ausgabe 1

1 Feb 2011

01: Stuttgart - Reims - Paris

Petrus ist F-Cell-Fan! So könnte man das Wetter bei unserer Abreise jedenfalls deuten! Denn nach tagelangem Grau geht die Sonne am frühen Sonntag morgen an einem wolkenlosen Himmel auf! Es ist endlich soweit: Der F-CELL World Drive beginnt - und Daimler-Vorstand Dr. Thomas Weber lässt es sich nicht nehmen, "seine" Truppe persönlich zu verabschieden. Und dann sind wir endlich "on the Road": Techniker, Fahrer, Mechaniker, Kamerateams und Journalisten, insgesamt 18 Fahrzeuge!  
Doch das Herzstück unserer Konvois sind natürlich die drei B-Klassen F-CELL. Fast lautlos rollen sie in den sonnigen Tag hinein, es geht westwärts, nach Frankreich.


Die erste Betankung mit unserer mobilen Wasserstofftankstelle klappt problemlos, dann geht es nach Reims in der Champagne und am nächsten Tag weiter nach Paris!
Immer noch scheint die Sonne, aber es ist knackig kalt - und das wird sich vielleicht in den nächsten Tagen ein wenig ändern: Denn wir fahren nach Süden. Lyon, Barcelona, Madrid und schließlich Lissabon liegen noch vor uns, bevor es dann über den "großen Teich" nach Miami geht. Aber immerhin: Etwa 800 von fast 30 000 Kilometern wären schon mal geschafft!

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Über die Tour

Am 29.01.2011 startete in Stuttgart der Mercedes Benz F-CELL World Drive. In 125 Tagen bewältigen drei Brennstoffzellenfahrzeuge der B-Klasse eine Strecke von ca. 30.000 km. Redakteur Christian Maier sowie weitere Beteiligte der Tour berichten regelmäßig über die faszinierende Fahrt rund um den Globus. Innovative Köpfe werden ebenso vorgestellt, wie Künstler und Menschen, die durch einen bewussten Umgang mit Energieressourcen zeigen, wie jeder dazu beitragen kann die Welt ein wenig grüner zu machen.
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Eco-Trek Magazin

Über den Autor

Christian Maier, geboren 1972 in München, ist Absolvent der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg. Von 1996 bis 2004 arbeitete er als Redakteur im RTL-Hauptstadtstudio und schließlich als Chef vom Dienst (CvD) bei RTL in Köln. Seit 1995 ist Christian Maier als freier Autor von Corporate-Videos, sowie für Reportagen und Dokumentation tätig.